Die Deutsche Vakuum-Gesellschaft DVG
verleiht den
Rudolf Jaeckel-Preis 2026
an
Dr. rer. nat. Jörg Vetter
in Würdigung seiner herausragenden Arbeiten zu den wissenschaftlichen Grundlagen,
der Technologieentwicklung und den industriellen Anwendungen der Vakuumbogenverdampfung,
insbesondere auf dem Gebiet multifunktionaler Übergangsmetallnitride
sowie amorpher diamantartiger Kohlenstoffschichten (DLC)
Deutsche Vakuum-Gesellschaft e. V. (DVG)
verleiht Rudolf-Jaeckel-Preis 2026
an Dr. rer. nat. Jörg Vetter
Preisverleihung im Rahmen der PSE 2026 in Erfurt — Preisträgervortrag: „Gerichtete Erstarrung und Untersuchungen zur Morphologie der Metall-Halbleiter-Eutektika“ — Laudatio: Prof. Dr. Sven Ulrich, Präsident der DVG
Erfurt / Kaiserslautern, 01. September 2026 – Die Deutsche Vakuum-Gesellschaft (DVG) hat Dr. Jörg Vettel mit dem Rudolf-Jaeckel-Preis 2026 ausgezeichnet. Die feierliche Übergabe erfolgte im Rahmen der PES 2026 in Erfurt.
Auszeichnung für herausragende Beiträge zur Bogenverdampfung, zu Hartstoff- und DLC-Schichten sowie zur Entwicklung industrieller Plasma- und Beschichtungstechnologien
Der Rudolf-Jaeckel-Preis 2026 der Deutschen Vakuum-Gesellschaft (DVG) geht an Dr. rer. nat. Jörg Vetter. Mit der Auszeichnung würdigt die DVG seine herausragenden Arbeiten zu den wissenschaftlichen Grundlagen, der Technologieentwicklung und den industriellen Anwendungen der Bogenverdampfung, insbesondere zu multifunktionalen Übergangsmetallnitriden und amorphen, diamantartigen Kohlenstoffschichten.
Dr. Jörg Vetter wurde 1954 in Meißen geboren und studierte Physik an der TH Karl-Marx-Stadt, an der er 1984 zum Dr. rer. nat. promoviert wurde. Bereits Mitte der 1980er Jahre begann seine wissenschaftliche Tätigkeit auf dem Gebiet der Oberflächentechnik und Tribologie. Mit seiner ersten Patentanmeldung zur Vakuumbogenverdampfung im Jahr 1988 zeichnete sich früh die Richtung ab, die seine weitere wissenschaftliche und technologische Laufbahn prägen sollte.
1990 wechselte Dr. Vetter in die industrielle Forschung und Entwicklung. Bei Multi Arc, Metaplas, Sulzer Metaplas und später Oerlikon Balzers arbeitete er über mehr als drei Jahrzehnte an der Entwicklung und industriellen Umsetzung innovativer PVD- und PACVD-Verfahren. Dabei verband er in besonderer Weise grundlegende physikalische Fragestellungen mit der Entwicklung von Anlagen, Prozessen und industriell einsetzbaren Beschichtungen.
Zu seinen herausragenden Beiträgen zählen die Entwicklung des Arc Enhanced Glow Discharge (AEGD) zur hochionisierten Plasmaerzeugung und Ionenreinigung in PVD-Anlagen sowie wegweisende Arbeiten zu AlTiN- und AlCrN-Hartstoffschichten. Auch auf dem Gebiet der amorphen Kohlenstoffschichten und ta-C leistete Dr. Vetter früh grundlegende Beiträge und trieb deren Überführung in großtechnische Beschichtungsanlagen voran. Hinzu kommen Arbeiten zu hybriden Verfahren, insbesondere zur Kombination von Bogenverdampfung und HiPIMS.
Die besondere Stärke seiner Arbeit liegt dabei in der Verbindung von Wissenschaft und industrieller Anwendung. Seine Entwicklungen finden Anwendung unter anderem bei Werkzeugen und Komponenten, im Automobil- und Antriebsbereich sowie für Verschleiß- und Korrosionsschutz. Zahlreiche Patente, wissenschaftliche Veröffentlichungen und Fachbücher dokumentieren den nachhaltigen Einfluss seiner Arbeiten.
Auch nach seinem Ausscheiden aus der industriellen Forschung ist Dr. Vetter wissenschaftlich und technologisch aktiv geblieben. Seit 2023 führt er mit J.Vetter-S3-consulting eine eigene Beratung, in der er seine langjährige Erfahrung für aktuelle Fragestellungen der Plasma- und Oberflächentechnik einsetzt. Ein Schwerpunkt seiner heutigen Arbeit liegt auf der weiteren industriellen Entwicklung von HiPIMS und dessen Kombination mit anderen hochionisierten Plasmaprozessen. So beschäftigte er sich 2024 ausführlich mit dem Stand und den Anwendungsmöglichkeiten von HiPIMS für industrielle Schutzschichten und präsentierte 2025 aktuelle Überlegungen zur Einordnung und Standardisierung der Technologie.
Besonders eindrucksvoll ist, dass auch eine seiner eigenen frühen Entwicklungen bis heute Gegenstand seiner Arbeit ist: 2025 stellte Dr. Vetter unter dem Titel „35 years AEGD: ion cleaning and plasma processing in PVD systems“ die Entwicklung und die aktuellen Anwendungsmöglichkeiten des von ihm maßgeblich geprägten Verfahrens vor. Dabei zeigte er unter anderem neue Perspektiven für Ionenreinigung, Plasmaunterstützung, Nitrierung und DLC-Prozesse auf.
Parallel dazu beschäftigt sich Dr. Vetter zunehmend mit der Frage, wie Oberflächentechnik zur Nachhaltigkeit industrieller Prozesse und Produkte beitragen kann. Damit spannt sich ein bemerkenswerter Bogen von den grundlegenden Arbeiten an der Vakuumbogenverdampfung bis zu aktuellen Fragen nachhaltiger Oberflächenlösungen.
Über viele Jahre engagierte sich Dr. Vetter zudem in der wissenschaftlichen Gemeinschaft, unter anderem als langjähriges Vorstandsmitglied der EFDS, in Fachgremien von VDI und DIN sowie als Organisator und Session Chair internationaler Konferenzen. Bis heute ist er regelmäßig als eingeladener Referent auf internationalen Veranstaltungen der Plasma- und Oberflächentechnik aktiv. Seine anhaltende wissenschaftliche Tätigkeit und sein internationales Netzwerk zeigen, dass die Auszeichnung nicht nur eine Würdigung eines Lebenswerks ist, sondern auch die Arbeit eines Forschers und Technologen, der die Entwicklung seines Fachgebietes weiterhin aktiv begleitet und mitgestaltet.
Mit dem Rudolf-Jaeckel-Preis 2026 würdigt die DVG daher einen Wissenschaftler und Technologieentwickler, dessen Arbeiten beispielhaft für die Verbindung von Vakuumphysik, Plasmatechnik, Werkstoffwissenschaft und industrieller Anwendung stehen.